Der Schleifertag

Schleifertag

Der Schleifertag ist eine Art Highlight der jährlichen Einkaufsfahrt.
Wir besuchen eine der wenigen noch in Betrieb befindlichen Schleifereien der Region Idar-Oberstein. Viele dieser Schleifer sind zwischen siebzig bis achtzig Jahre alt. Sie haben ihr gesamtes Arbeitsleben seit der Lehre als Schleifer gearbeitet, teilweise über 60 Jahre lang. Es gibt kaum noch junge Leute, die sich zum Schleifer ausbilden lassen, weil sie mit den Löhnen der Schleifer aus Brasilien, Indien, Sri Lanka, Madagaskar nicht konkurrieren können. In diese Länder, d.h. in Länder, in denen viele Mineralien gefunden werden, ist das Schleiferhandwerk in den letzten 50 Jahren ausgewandert. Vor 50 Jahren gab es in den Dörfern um Idar-Oberstein in jedem zweiten Haus einen Schleifer, Bohrer, Graveur, oder Lapidär (Edelsteinschleifer für wertvolle Farbedelsteine). Diese Konzentration war einmalig auf der Welt.

Unser erster Schleifer, Arno Hachenthal aus Mörschied, bei dem viele Steinbrücke-Mitglieder das Schleifen gelernt haben, ist mit 77 Jahren verstorben. Bis zu seinem Tod hat er uns alljährlich das Schleifen beigebracht, ebenso dem Projektgründer der Steinbrücke der im Rahmen seiner 12. Klasse-Jahresarbeit bei Arno Hachenthal im Jahr 1975 ein dreiwöchiges Schleiferpraktikum absolviert hat.

Danach hatten wir das Glück, den Schleifer K.H. Brusius, der mittlerweile über 80 Jahre alt ist, kennen zu lernen. Auch er nahm uns bereitwillig für jeweils einen Tag in seine Werkstatt auf, brachte uns das Schleifen bei und erzählte aus seinem spannenden Leben als Schleifer und Händler, der auch Aufträge in Mekka erhielt, um die große Moschee mit Lapis-Lazuli und Malachit auszukleiden.

Die dritte Schleiferei, die wir mittlerweile kennen gelernt haben, ist die alte Edendell-Schleife, die weltweit einzige noch funktionsfähige wasserbetriebene Achat-Doppel-Schleife. Sie wurde mit sehr viel Liebe restauriert und wieder funktionstüchtig gemacht.

Warum nur ein Schleifertag?
Das ist der Zeitraum, den Steinbrücke auf der meist fünf- bis sechstägigen Einkaufsfahrt für die Fortbildung freihalten kann. Erstaunlicherweise reicht ein Arbeitstag aus, damit jedes Steinbrückemitglied zumindest ein oder zwei Rohsteine erfolgreich bearbeiten, in Form bringen und sorgfältig polieren kann. Dabei werden zunächst Schleifsteine mit grober, dann mittlerer und zuletzt feiner Körnung eingesetzt. Die Bearbeitung von Holz mit einer ähnlichen Abstufung der Körnung beim Schleifpapier in unserer Schulschreinerei mag hier eine geeignete Vorübung gewesen sein. Die Fingerkuppen werden an diesem Tag zumindest dünnhäutig oder auch mal blutig.

Wer dreimal erfolgreich einen solchen Schleifertag absolviert hat, bekommt vom Meister schon mal eine Urkunde (s. Foto)