Jobina Diez auf der Suche...

Jobina ist die Sängerin...

Am besten fange ich dort an, wo die Geschichte beginnt:

Im Winter 2014, am Bazarstand der Schülerfirma "Steinbrücke" in der Waldorfschule Märkisches Viertel.
Zu dieser Zeit war ich gerade frisch von Bremen nach Berlin gezogen. Ich machte ein Praktikum, arbeitete nebenher, sang im Chor und beschäftigte mich mit den vielen Fragen, die sich im Laufe eines Lebens eben so stellen. Unter anderem versuchte ich eine Antwort darauf zu finden, was ich eigentlich mit meinem Leben anfangen wolle.
Dass sich eine solch groβe Frage mit dem einfachen Besuch eines Weihnachtsbazars beantworten ließe, mag unglaubwürdig erscheinen. Es stimmt aber. Denn wie so oft passieren die entscheidenden Dinge immer dann, wenn man am wenigsten mit ihnen rechnet. So auch an diesem Tag: Beim Stöbern nach Weihnachtsgeschenken griff ich am Stand der Steinbrücke gedankenverloren nach einem Flyer. "ONG Manda" / "Zaza Faly e.V." stand darauf.
Es handelte sich um ein Projekt für Kinder, die auf den Straβen Antananarivos - der Hauptstadt Madagaskars - leben.
In dem Flyer wurde die madagassische Nicht-Regierungs-Organisation "ONG Manda"/ "Zaza Faly e.V" vorgestellt. Und mit jedem Satz den ich las, wurde mir klarer, dass sich genau dort meine Zukunft abspielen würde. Verrückterweise passten nahezu alle genannten Projektbereiche mit mir, meinen bisherigen Erfahrungen und Qualifikationen zusammen. Ich bewarb mich also kurzerhand bei "Zaza Faly e.V." um ein 6-monatiges Praktikum in Antananarivo bei der "ONG Manda".
Dass aus diesen ursprünglich 6 Monaten letzten Endes 16 Monate werden würden, hätte ich nicht gedacht. Ebenso wenig hätte ich es für möglich gehalten, dass ich nach dieser Zeit nicht allein, sondern in Begleitung von 15 Projektkindern, 3 MitarbeiterInnen der ONG und einem Freund aus Madagaskar wieder zurück nach Berlin fliegen würde. Und dass diese Gruppe ausgerechnet in der Aula der Schule auftreten würde, in der ich gerade stand? Damit hätte ich wohl am aller wenigsten gerechnet.
Dank des Flyers, der mir zwischen Edelsteinen und Himalaya-Kristallsalz-Lampen zufällig in die Hände geraten war, wurde aber genau das Wirklichkeit.
Die darauffolgenden anderthalb Jahre in Madagaskar sind schwer in einem kurzen Text wie diesem hier wiederzugeben. Worte reichen als Ausdrucksmittel manchmal einfach nicht aus. Von daher werde ich es mit Reden gar nicht erst probieren, sondern da ansetzen, wo mit anderen Mitteln gesprochen wird: Musik.
Im Rahmen des Songcontests "Dein Song für Eine Welt" schrieben mein Freund Fy und ich ein Lied, welches wir anschlieβend mit der ASAMA-Klasse der "ONG Manda" einübten. Wir nahmen den Song auf, drehten einen kurzen Video-Clip dazu, der Momente des Projektalltags einfing und sandten ihn ein.
Tatsächlich wurden wir nur wenige Monate später von der Jury unter die besten Songs des Wettbewerbs gewählt.
Und noch ein paar Monate später zum "Eine Welt Festival" im Juni 2016 nach Berlin eingeladen. Weitere 4 Monate vergingen, bis wir Anfang Juni im Flieger nach Berlin saβen.
Gleich am ersten Tag nach unserer Ankunft in Deutschland fand das 20-jährige Jubiläum der Schülerfirma "Steinbrücke" und im Anschluss daran das Sommerfest der Waldorfschule Märkisches Viertel statt. Es war unser erstes Konzert im Ausland und für die Kinder auch der erste Kontakt mit gleichaltrigen SchülerInnen auβerhalb von Madagaskar.
Doch ich glaube, einen schöneren Empfang hätten wir uns nicht vorstellen können. Denn letztendlich standen wir mit unserem "Mixed up Song" nicht allein auf der Bühne! Unterstützt von dem Musiklehrer Herrn Coban-Stöferle an der Querflöte und den tatkräftigen Sängerinnen und Sängern der Schule, die den Song im Musikunterricht geübt hatten, sangen wir das Lied alle gemeinsam.
Ich finde, dass erst durch solche Aktionen der Inhalt des Liedes im wahrsten Sinne des Wortes lebendig wird. Vielen Dank auch hier noch einmal an die Einladung der "Steinbrücke", an den Herrn Coban-Stöferle sowie die flei&bat;igen SchülerInnen, die mit uns den Song gesungen haben.
Erst beim Abgang von der Bühne kam mir der Raum mit einem Male merkwürdig bekannt vor. Ich überlegte und erinnerte mich plötzlich daran, wie ich vor anderthalb Jahren auf dem Weihnachtsbazar den Flyer entdeckt hatte.
Die Ereignisse an die Jubiläumsfeier und das Sommerfest sind uns noch lebhaft in Erinnerung geblieben. Dosenwerfen, ausgefallene Gerichte, Schaukeln bis zum Umfallen, Spielen mit Kindern, die eine andere Sprache sprechen – das, und noch vieles mehr, waren ganz neue Eindrücke.
Gegen Abend entdeckten ein paar Manda-Kinder die groβe Schiffsschaukel im hinteren Teil des Pausenhofs. Was für eine Spaβ! Unter unaufhörlichem Lachen wurden die nächsten 30 Minuten durchgeschaukelt. Je höher und schneller desto besser. In Kombination mit den übervollen Kindermägen, die sonst nur weiβen Reis mit Beilage gewöhnt sind, sich nun jedoch mit Schwarzbrot, verschiedensten Salaten, jeder Menge ausgefallener Kuchensorten und zu guter Letzt noch einem Würstchen im Brot herumschlagen mussten, war das einfach zu viel: Mit einem Male sprangen alle 5 Kinder von der Schaukel, rannten ins Gebüsch und übergaben sich. Aber alles halb so wild! Ein paar Minuten später saβen alle wieder, genauso fröhlich gackernd wie zuvor, auf der Schaukel. Und weiter ging´s!
Alles in allem war es ein Tag voller lustiger Spiele, köstlichem Essen, Sonne, Kinderlachen und geteilter Freude. Er wird uns noch lange in positiver Erinnerung bleiben.
Die zwei Wochen in Deutschland waren, so viel ist sicher, für alle Beteiligten eine auβergewöhnliche und prägende Zeit. In welcher Weise sie auf die Kinder eingewirkt hat, kann ich jedoch erst sagen, wenn ich wieder vor Ort bin und alle wiedersehe. Und das ist zum Glück schon sehr bald!